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oh M du Tust so Veh!

Während unseres Medien und Musikeintwicklungsworkshops wurde mir die brisante Lage von MTV und anderen noch großen Medienmarken wieder einmal bewusst. Oft fällt es anderen schwer, diese Lageinschätzung nachzuvollziehen. Schließlich hat MTV das Musikfernsehen erfunden, hat den Status einer der wertvollsten Medienmarken der Welt inne und ist quasi Gattungsbegriff. Doch auch das war einmal, vielen Menschen fallen bei MTV auch Inhalte ein, die nichts mit Musikvideos zu tun haben. Klingeltonwerbung (ist auch Musik) und Formate in denen es meist um andere Dinge geht als Musik. Diese Entwicklung mag man bedauern, letztendlich scheint es aber genau der richtige Weg zu sein.

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Workshop Medien und Musikentwicklung

Jedes Medium führt zur Entwicklung neuer Gemeinsamkeiten: Notendrucke veränderten die Produktion, Verteilung, Wahrnehmung und Nutzung von Musik. Sie wurden Bezugspunkte für neue Gemeinschaften, wie später die Zeitung mit dem Feuilleton, Musikzeitschriften, Radio, Schallplatten, Walkman und CDs.
Die besondere Beziehung von Jugendlichen zu Musik im Fernsehen machte MTV zur wertvollsten Medienmarke der Welt. Zurzeit verändern neue digitale Netzwerkmedien mit ihren Speicher- und Übertragungstechnologien erneut das Verhältnis zur Musik.
Noch nie war sie medial so zugänglich wie mit iTunes, das fast jede Musik jederzeit und an jedem Ort unmittelbar bereithält. Auch über MySpace, das immer mehr Künstler mit anderen Künstlern und Fans verbindet, kommen viele Menschen mit Musik auf neue Art in Berührung.

Last.fm zum Beispiel zeigt an, wer ähnliche Musiktitel hört. So entstehen völlig neue Beziehungen. Diese fordern in der Regel bestehende mediale Beziehungen zur Musik heraus, weil sie zu diesen neue demokratische Alternativen bieten, auf die im Rahmen der bestehenden Beziehungen in der Regel kreativ reagiert wird.

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Wie hängen Medienentwicklungen mit Musik als komplexem Zusammenhang von Produktion, Verteilung und Aufführung, aber auch von Wahrnehmung und kultureller Aneignung in sozialen Gruppen zusammen? Welche Rolle spielen welche Medien bei welchen historischen Entwicklungen von Musik? Warum werden nun, wo Musik allgegenwärtig geworden ist, Konzerte wieder wichtiger? Welche Beobachtungen und Erfahrungen von Musik helfen, Entwicklungszusammenhänge von Medien und Musik besser zu verstehen?
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Das Medienunternhemen Google war bei uns im Institut in Form des sehr netten Unternehmenssprechers für Mittel und Nordeuropa, Kay Oberbeck, zu Gast. Neben der unglaublich hohen Nutzung von YouTube wurden uns die Prinzipien von Googles Handeln erläutert und auch die ein oder andere Anekdote. Dazu später mehr.

Als Treiber für die rasante Entwicklung des Internet wurde die technische Entwicklung ausgemacht. Es ist schon eine faszinierende Vorstellung: wenn man berechnet, wie billig Speicher und Prozessoren seit 1982 geworden sind, und was sie seit dem an Leistung gewonnen haben, dann müsste man mit einem Kanister Benzin heute 2172 Umrundungen (je ca. 40.000 Km! = 86.880.000.000 m) um die Erde machen können – im Vergleich zu Preis/Leistung von 1982. Wenn nur ein Funken dran ist an der Rechnung, dann ist das schon eine beeindruckende Vorstellung.

Aber: ist diese gigantische technische Leistung alles um das Phänomen Google, YouTube und Internet an sich zu erklären (meiner Ansicht nach kann man in einigen Beziehungen durchaus sagen Google = Internet!)? Immerhin geschah alls rasend schnell: Um 50 Mio. (US-) Menschen zu erreichen brauchte das Radio 38 Jahre, das TV 13 – und Internet nur 4 (Quelle). Die technische Entwicklung ist dabei eine Seite des Chips, die andere Seite ist das was es für die Menschen wirlich erreicht hat: geringere Bedeutung von Raum und Zeit, Konnektivität, andere Flows, Nähe und Offenheit.

Folge der Offenheit ist, dass die Linearität medialer Kommunikation aufgebrochen wird. Die übliche Reihenfolge der Kommunikationskontexte wird aufgelöst, auf Kommunikationsnutzung kann z. B. auf Kommunikationsproduktion folgen oder beides gleichzeitig. Mit der technischen Leistungsfähigkeit hat das nichts zu tun, vielmehr ist es die Anlage und Konstruktion des Netzwerks, und das was (Beziehungen!) die Menschen daraus machen, welches seinen Erfolg ausmacht. So viel zum Status von Google:

Nur die Diskussion um Datenschutz etc pp. musste vom Publikum angeregt werden, wurde vom Gast jedoch mit Bravour gemeistert – wobei da jetzt natürlich nichts wirklich Neues zu erfahren war.

Ach ja, die Anekdote: da war also die Oma am Empfang von Google, und fragte nach einer bestimmten Strahlenbehandlung. Auf die Antwort vom Empfang, dass es hier keine medizinischen Behandlungen gäbe, sagte sie wiederum, dass der Arzt ihr empfohlen hätte bezüglich der Strahlenbehandlung doch mal bei Google nachzuschauen. Und deswegen sie sie hier.