sprd – wie ein Blog anziehend wirken kann

Corporate Blogs sind natürlich nichts exotisches mehr: wie sollte auch die Kommunikation einer Organisation auf Augenhöhe mit ihren Anspruchsgruppen etwas außergewöhnliches und nicht etwa wichtigstes Kommunikations Dialogziel sein. Schaut man genau hin, sieht die Situation nicht ganz so fortgeschritten aus. Problem, wie sollte es anders sein, sind wieder die Nutzer, die Corporate-Blogs eher nicht trauen, so unsere Freunde Li und Bernoff aus der Groundswell.

cover

Aus gegebenem Grund schaue ich mir mal den Unternehmensblog von spreadshirt an. Klar, dass dieses Unternehmen, dessen Geschäft sich wesentlich im Netz abspielt, nicht nur bloggt (bzw. vier Mitarbeiter tun das) sondern auch twittert und facebooked und myspaced etc…

Diese Analyse beschränkt sich zum Großteil auf den Blog, wobei natürlich die Bewertung eines Blogs, ohne die zugehörige weitere Social Media Kommunkation mit einzubeziehen, gar nicht geht. Vielleicht schaffe ich es deswegen auch nicht, mal sehen.

Die Landing Page entspricht dem, was man von einem Blog erwartet, und so gibt es am Layout nicht viel zu meckern, man kann höchstens etwas anders machen. z. B. finde ich den Bereich im Kopf (Allgemein, Fenster, Affiliates) BILD nicht wichtig genug für so eine populäre Platzierung. Aber wohin dann? In der rechten Spalte ist schon alles so vollgestopft, dass man eigentlich nichts findet. Man kann ihn sicherlich mit einer Analyse der Klickzahlen die Überfüllung der Site optimieren.

affiliate

Zum Inhalt kommend frage ich mich natürlich wer denn den Blog lesen soll bzw. liest. Den Kategorien folgend sind dies Partner, Affiliates und alle anderen, irgendwie. Für die Geschäftspartner ist der Blog erste Informationsquelle, was Neuheiten, Änderungen und Chancen angeht. Für die Übrigen werden T-Shirt Geschichten angeboten (xyz im Interview)- und ist der Inhalt nicht relevant aber vielleicht interessant. Hauptsächlich werden nämlich Inhaber von Shops interviewt, welche selbst eine gewisse Berühmtheit haben.

Der Blog ermöglicht natürlich einen Dialog über die Themen auf Augenhöhe. Gerade mit den Shoppartnern, die mit den Änderungen umzugehen haben, scheint dies auch optimal umgesetzt zu sein, um von deren Erfahrungen profitieren zu können.

shirtgeschichten

Andererseits werden Chancen für spreadshirt nicht genutzt, was ich an einem Beispiel erläutern möchte: Unter dem tollen Titel „I Shot the Serif – neue Fonts bei Spreadshirt“ wird von einer scheinbar sehr aufwändigen Neusortierung der im T-Shirtdesigner verwendbaren Fonts berichtet, deren Ablauf scheinbar sehr Top-Down war. Hier hätte man die Nutzer einbeziehen können. Natürlich liegen umfangreiche Zahlen zur Nutzung der Fonts vor, sodass hier eine „Vorschlag und Abstimmung“-Aktion vielleicht nicht reichhaltigere Information gebracht hätte – aber mehr Aufwand. Aber: das Involvement der Nutzer zu Fonts und Gestaltungsmöglichkeiten hätte gesteigert werden können. Neue und mehr Ideen für Designs sollten die Folge sein, es wird mehr ausprobiert und letztendlich mehr gedruckt. Selbstverständlich ließe sich dies auch auf andere Social Networks ausdehnen – à la Co-Creation by Facebook.

Schöne Momente hat der Blog, wenn oben rechts dargestellt wird, was das Echtzeit-Twitterweb in Bezug auf Sprd so beschäftigt.

twitter

Vernetzung sollte für spreadshirt kein Problem darstellen, ist doch die Kommunikationsleistung des Unternehmens sozusagen das FREE seiner Produkte. Es kann seinen Erfolg steigern, indem es alle Orte nutzt, über die sich ein Dialog führen lässt, und das Netzwerk maximiert wird. Sprd hat ein Produkt, es kann kommunikativ nur gewinnen! Dabei komt es nicht auf eine langfristige Ausrichtung an, da sich die Dialogmöglichkeiten ständig evolutionär weiter entwickeln werden. Der Blog kann also nie ein Optimum darstellen, er kann schon gar nicht alleine stehen, und das sollte er auch nicht. Wahrscheinlich ist er schon überholt...

Zu Schluss noch eine „ein Satz“-POST-Analyse, weil es soviel Spaß und natürlich in dieser Analyse auch Sinn ergibt.

POST-sprd-NEU

6 Antworten zu “sprd – wie ein Blog anziehend wirken kann

  1. Sehr gelungene Analyse!
    Besonders gut finde ich „Der Blog kann also nie ein Optimum darstellen, er kann schon gar nicht alleine stehen, und das sollte er auch nicht. “ -> Dieses Metabloggen ermöglicht eine andere Sicht auf digitale Netzwerkmedien: Für sich allein sind sie ein Abstraktum ohne Substanz. Erst durch integrative Kommunikations-und Wertschöpfungsstrategien kann können Geschäftsmodelle wirklich funktionieren.

  2. Moin André,

    mal wieder ein interessanter Beitrag. Die POST-Analyse ist natürlich – wie so oft – Gold wert. Schön auch die Vorschläge zum weiteren Einbezug der Nutzer: Warum solche Prozesse, wie du schreibst immer wieder „top-down“ angegangen werden ist für mich ebenso fraglich und rechtfertigt sich wohl nur aus einem weiterhin mangelnden Verständnis des gelebten Enterprise 2.0 — offensichtlich auch in (muss man ja mittlerweile schon sagen: ehemaligen) StartUps.

    Was mich interessieren würde: Rechnet sich der Blog für sprd? Immerhin wird hier min. ein voll bezahlter Mitarbeiter beschäftigt wie die „Stellenausschreibung“ zeigt. Und wenn ja: Mit welchen Kennzahlen wird diese Leistung bestimmt? Welche (quantitative und qualitative) Faktoren fließen in ein Social-Media-Controlling ein? Oder bleibt ein solches Controlling reine Fiktion? Wir beide wissen, wie wichtig „harte“ Kennzahlen als Legitimationsmittel in Unternehmen sind. Über den internen ROI von Social Software für Projektmanagement haben die Jungs bei besser20 http://www.besser20.de/gibt-es-einen-roi-fur-projektmanagement-20/57/ mal nachgedacht — ich find’s wichtig, dass wir diese Dimension nicht ausblenden.

  3. Herrlich, so soll es sein!

  4. Wow. Welche Entwicklungen da alle an mir vorbeigehen… Wertschöpfung durch kontrollierte Kommunikation im Netz. In der Theorie scheint es die logische Konsequenz zu sein, aber was gibt der Markt da überhaupt her? Inwieweit zersetzen die unbegrenzten Möglichkeiten den Markt nicht in kleinste und allerkleinste Teile, bei denen der bissigere Social-Media-Controller solange den Ton angibt, bis er gefressen wird?
    Steigt die Anzahl der Menschen wirklich an, die sich freiwillig dem Fortschrittsdiktat der medialen Kommunikation unterwerfen? Oder muss man Matthew Robson nicht recht geben? Er ist immerhin 15 und deswegen wohl prototypischer Bestandteil der Zielgruppe schlechthin.
    http://pressetext.com/news/090430027/twitter-kann-seine-user-nicht-halten/

    Überleben wird also nur, was länger als ein halbes Jahr überdauert, 0,00€ kostet und sich ständig (r)evolutioniert ohne dabei die Plattform zu verlassen oder die bereits Angepassten zu vergraulen…

    Also DANKE für Deine Analyse

  5. Hey,
    inzwischen ist der Corporate Blog für Unternehmen ja schon so obligatorisch geworden, dass sich in den jeweiligen Kommunikationsabteilungen vermutlich gar nicht (mehr) Gedanken über POST-Fragen gemacht wird. (Den Groundswell haben sicher auch längst nicht alle gelesen, ein schlimmer Fehler!) Entsprechend fehlt auch oft die richtige geistige Herangehensweise an das Corporate Bloggen.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang der Vodafone-Blog zur aktuellen Kampagne, wo es bei einem Beitrag in den Kommentaren sehr zur Sache ging.
    http://blog.vodafone.de/2009/07/20/twittermom/

    Kopfschütteln bereitet dabei aber keineswegs nur die Kommunikation von Vodafone oder aber der Dritten (denn so platte Kommentare würde keine Kommunikationsabteilung posten, da bin ich mir sicher!), sondern auch die Beiträge der Nutzer, die weit entfernt von einen Gespräch auf Augenhöhe sind. Schließlich müssen in einem „Dialogmedium“ wie dem Corporate Blog nunmal beide Seiten zum Dialog bereit sein.

    Weiterhin frohes Bloggen!
    Katja

  6. André!

    Als Nicht-Mewi schaue ich mit großen Augen auf diesen Beitrag und vor allem das Diagramm – ganz nebenbei: wo bleibt der unternehmenspolitische Erker?

    Kannst du für mich Unwissenden noch mal einen Schritt weiter vorne anfangen:
    a) was genau ist überhaupt ein Corporate Blog? Ist das die menschelnde Internet-Version des sonstig kalten Betriebsapparates? (also: „Dr. Z’s private Schnurrbart-Geheimnisse,“ „arSchlecker – wie man am besten seine Mitarbeiter schlecht behandelt,“ „Opel – ein Kofferraum packt aus“)
    b) wer ist hier genau auf Augenhöhe mit wem und warum ist das so wichtig? (und vor allem: ist es wirklich so?)

    Herzliche Grüße aus der examinierten Arbeitslosigkeit!

    mel

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