Musikjournalist becomes everybody. Musik als Aggregat im Netz.

Musik ist überall, es ist also ein Leichtes, sie im Internet zu aggregieren. Damit ist kein MashUp gemeint, welches Ideen verschiedener Künstler zu einem Musikstück vereint, sondern eine Gesamtheit aller Künstler und Musikstücke die im Internet irgendwie kommuniziert werden. Diese werden „angehäuft“ und durch Addition (möglich wäre auch Substraktion) miteinander verknüpft. Es entsteht ein Aggregat, welches grundsätzlich Additiv ist. Zudem, wie sich zeigen wird, ist es unmittelbar und damit seinerselbst ein Ausdruck des Flow: es aktualisiert sich ständig von selbst, also automatisch.

Soweit zur Einführung. Vor einer weiteren Analyse sollen einige Beispiele aufgezeigt werden: Hypemachine oder elbows sind mp3-Blog-Aggregatoren. Mp3-Blogs haben die sie von allen anderen Blogs abgrenzende Besonderheit Musikdateien auf der Site nutzbar vorzuhalten (z. B. Ear it now, Coast is clear). Diese sind meist in mp3-Format angebunden an einen Post mit Bezug zur Musik herunterladbar. Die dadurch entstehenden Möglichkeiten (nicht juristisch) sind sehr umfassend, so bezeichnet Wodtke (2008) mp3-Blogs nicht weniger als „…a combination of music magazine, diary/journal, pirate/alternative radio, fanzine and mixtape…“ (S. 10). Hier konvergieren fast alle Dinge die mit Musik zu tun haben bis auf das Selbermusizieren – jede andere ließe sich auch noch integrieren, so werden selbstverständlich auch Musikvideos eingebettet oder Konzerte angekündigt.

Ist diese Diversifität noch nicht genug, handelt dieser Text vom Aggregat dieser Eierlegenden Wollmilchsau!

hypem2

Individuelles Hören von Musik wird technisch ermöglicht - aber von den Menschen praktiziert.

Die Hypemachine selber wurde bereits umfassend erklärt, so dass hier nur eine kurze Zusammenfassung mit Links stehen soll.

Durch die Hypemachine kann man auf Mp3-Blogs gefeaturte Musik entdecken/ finden. Neben der Suche nach Musikern und Titeln kann gerade auf den Blogs gehypte Musik gefunden und gehört werden, alles aggregiert auf einer Site.  In ihrer Gestaltung macht die Hypemachine dabei genau die richtigen Akzente, weil der aggregierte Zugang zu den Posts und der Musik perfekt gelöst ist und „mit einem personalisierbaren und post-sozialen Layer versieht“.

Durch eine Anmeldung bleiben Aktionen gespeichert und das verfolgen von Blogs mit einem ansprechenden Angebot fällt wesentlich leichter.

Im Kontrast steht dazu der Musikjournalist, welcher dank exklusiven Zugängen zu Musik (Konzerten, Aufnahmen, Musikern, …) ein anderes Bild der Szene hat als der Musikhörer. Diese Privilegien führen aber dazu, dass eine Auswahl und Beschreibung im Sinne seiner ‚Kunden’ nicht möglich ist, und die Musikerfahrung durch ihn sehr mangelhaft.

Musik beschreiben ist wie zu Architektur zu tanzen.

Das geht soweit, dass man Musikkritiken als Baukastensystem versteht und somit nur neu zusammenstellen muss. Meist geht es in einer Rezension nicht mal um die Musik, sondern der Autor schildert Erlebtes mit der Band oder lästert über Konzertbesucher.

hypem1

Seine lineare monomediale nonakustische Rezension oder doch lieber die Meinung von Millionen?

Dieses kleine Musikjournlistenbashing soll die Schlussfolgerung nach sich ziehen, dass eine Musikerfahrung durchs Soziale und Digitale eine wesentlich höhere Güte hat als die lineare monomediale nonakustische Besprechung von Platten in Musikzeitschriften, oder die Titelauswahl im Radio. In meinem Optimismus denke ich auch, dass ein Mainstreaming durch soziale Empfehlung nicht eintritt – mindestens weil es ja nicht die einzige Quelle wird, sondern reale soziale Kontakte weiterhin auch über den Austausch von über Musik funktionieren werden.

Credits: Bild headphone by eneas, Bild typ by Ryan Gessner

4 Antworten zu “Musikjournalist becomes everybody. Musik als Aggregat im Netz.

  1. Mal wieder was gelernt von einem Medienexperten- danke für den Tipp, Hype Machine ist großartig! Da also kennst du immer die ganze gute neue Musik her…Aber was sind das für seltsame Fotos in diesem Artikel- Leute mit Schweinegrippe hören MP3 Player? Und auf dem zweiten erkenne ich nix richtig.
    Also, auf die Eierlegende Wollmilchsau, the musical cloud!
    A

  2. so elegant Crowd Sourcing tatsächlich ist, bin ich da immer sehr unsicher – gerade wenn es um Kunst geht (ja, Musik zählt auch dazu)… das kann und muss hin und wieder elitär sein. Vollständige Demokratisierung führt sehr schnell zu Mainstreaming. Da bin ich für die Orientierungsfunktion der Medien oft sehr dankbar. Zugegeben, im (richtigen) Radio funktioniert das besser als im Print🙂

  3. Nikolaus, verstehe ich Dich richtig? Möchtest Du das, was wir seit Privatisierung und Formatradio über UKW noch zu hören bekommt, tatsächlich als „elitär“ und wegweisend (also eine „Orientierungsfunktion“ innehabend) bezeichnen? Ich habe vielmehr das Gefühl, dass da andauernd „more of the same“ reproduziert wird: „Jetzt noch mehr 80er für Niedersachsen“. Innovative Musik – Kunst – hat dort, im Mainstream, doch gerade KEINE Chance! Möglich, dass das LongTail-Prinzip mancherorts überbetont wird. Aber ich bin froh, dass es online überlegende Alternativen zu UKW gibt, die mich nicht auf den Mainstream, den Radio oder Majorlabels definieren, fixieren!

  4. Ich weiß zwar nicht, was mein beinahe Namensvetter unter „(richtigem) Radio“ versteht, aber prinzipiell befürworte ich seine These: Die Medien bieten mir eine Orientierungsfunktion, die akustisch besser funktioniert als optisch (und dann auch noch nur in Wörtern…). Das „richtige“ Radio könnte nun also byte.fm, der intro-sputnik-podcast oder ähnliches sein. Ich denke ja, dass es gar nicht mehr zu einer relevanten und schon gar nicht elitären oder wegweisenden Funktion im Formatradio kommen kann. Der wochenlange Hype um beispielsweise ein KingsOfLeon-Akustik-Geheimkonzert im EinsLiveStudio führt doch nicht mehr zur Ikonisierung einer Madonna der 80er und 90er Jahre. Bestes Beispiel ist doch die hochgradig peinliche „Der Tag an dem M. Jackson starb“-Performance ALLER UKW-Radiostationen. Damit ist UKW ebenfalls und endgültig verstorben. Das Nischenradio wird also wichtiger und letztendlich zum Mainstream. Das Radio ist tot, es lebe das Radio…

    Einen ganz anderen Aspekt finde ich sehr interessant: Die nicht-additive Auswahl von Musik bei der ich irgendwann einsteige und am Ende eine Art gemeinsam „erarbeitetes“ Mixtape steht. Gibt es so etwas schon oder sollte es so etwas nicht längst geben?

    Zur Architektur habe ich schon bei …but alive getanzt. Auf wen geht das Zitat denn nun zurück?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s