oh M du Tust so Veh!

Während unseres Medien und Musikeintwicklungsworkshops wurde mir die brisante Lage von MTV und anderen noch großen Medienmarken wieder einmal bewusst. Oft fällt es anderen schwer, diese Lageinschätzung nachzuvollziehen. Schließlich hat MTV das Musikfernsehen erfunden, hat den Status einer der wertvollsten Medienmarken der Welt inne und ist quasi Gattungsbegriff. Doch auch das war einmal, vielen Menschen fallen bei MTV auch Inhalte ein, die nichts mit Musikvideos zu tun haben. Klingeltonwerbung (ist auch Musik) und Formate in denen es meist um andere Dinge geht als Musik. Diese Entwicklung mag man bedauern, letztendlich scheint es aber genau der richtige Weg zu sein.

Wichtigster Punkt für MTV ist, dass es nichts eigenes hat, nichts was sie selber produzieren würden – zumindest was Musikvideos angeht. Diese werden von der Phonoindustrie bezahlt und geliefert. Vor dem Hintergrund dieses Wissens scheint einzuleuchten, warum MTV mit den vielen Eigenproduktionen begonnen hat. Denn diese Abhängigkeit birgt viele Risiken, u.a. dass die Phonoindustrie nicht ausreichend und vor allem gute/angemessene Inhalte ‚bereitstellt‘, und dass mit den neueren digitalen Verbreitungsmöglichkeiten die Phonoindustrie/ einzelne Labels einfach selber mit ihren Videos Geld verdienen und den Zwischenschritt MTV einfach umgehen (vgl. DPA), und vor allem ihre Inhalte auch an andere Teilnehmer auf dem „wir zeigen euch Musikvideos“-Markt geben.

Während unseres Workshops hat Dr. Benedikt von Walter keine Antwort auf diese Problem gehabt, aber was er herausgestellt hat, war das der Erfolg von MTV bisher auf dem ‚Closed Shop‘ basierte, der dadurch entstand, dass es quasi keine oder nur wenig Konkurrenz auf dem Markt gab, in Deutschland nur VIVA, die nun ja auch zu Viacom gehören. Nun wird das Spiel um Musikvideos im Internet gespielt. Erste Analufstelle ist YouTube dessen wirklich originären Inhalte (wenn man mit einem (Musik-)video Aufmerksamkeit erlangen will, geht das eigentlich nur bei YouTube) von MTV nur adaptiert werden können, oder Google, was mit googlevideo zum größten Teil zum gleichen Ergebnis führt. MTV stellt  die Videos hochqualitativ auch unter seinen IP-Adressen bereit, nur sieht es so aus, dass der gemeine Internetnutzer im Internet nicht mehr bei MTV nach Musikvideos schaut – letztendlich ist es ihm ja auch egal, woher gestreamt wird. Wirklichen Nutzen bieten dabei, und das erkennt auch MTV, nur Systeme Netzwerke wie last.fm auf Videos zu übertragen, denn die gute Qualität MTVs kommt wegen der geringen Verbreitung wirklich guter Downstreams nicht beim Nutzer an.

Ein weiterer wesentlicher Punkt der mit Musikvideos im Internet zu tun hat, ist das ‚Mash Up Culture Convergence Phänomen‘. Durch das Internet wird dem Nutzer ein ganz anderer Umagng mit Musikvideos möglich, als dies in der linearen Musikwelt überhaupt möglich war oder irgendjemand sich das vorstellen konnte. Hier ist Michael Wesch derjenige, der uns dies zeigen konnte: Numa Numa ging um die Welt, es wurde gigantisch viel Arbeit von vielen Menschen auf der ganzen Welt in ihr persönliches Videoerlebnis gesteckt. Dabei geht es nicht darum, dass sich diese Videos alle jemand ansehen soll, sondern vor allem um den schöpferische Prozess und darum, wie es Wesch formuliert „having the time of your live“. Für diese Zeit braucht man kein MTV.

Sicherlich wird MTV nicht das Problem von YouTube haben, die vor kurzen unzählige Videos von den Servern löschen mussten. Diese werden aber auch wiederkehren und schaden letztendlich der Phonoindustrie. Was uns von MTV als Zukunftsaussicht angeboten wurde war die schon genannte Qualität, ein legales Angebot, Kommentar- und Bewertungsmöglichikeiten und als wirkliche Innovation „Rooky“ und „Videoquiz“ (so zumindest meine Notizen). Letztlich bleibt MTV aber nur das Ausprobieren und Improvisieren, wie für jedes andere StartUp im Internet auch.

4 Antworten zu “oh M du Tust so Veh!

  1. Naja, MTV steht damit natürlich vor dem Problem aller TV-Sender: Wenn Produzenten, ob nun von Musikvideos, Serien oder Filmen, nicht mehr auf den Kanal MTV angewiesen sind, da sie mit einfachen Mitteln einen eigenen schaffen können, was sind dann noch ‚alte‘ Medienmarken Wert?

    Siehe das von mir immer wieder gern genutzte Beispiel von myspass.de. Dahinter steht die Produktionsgesellschaft Brainpool, die ihre Inhalte nun direkt zum Konsumenten bringt, ohne den Umweg über einen Sender wie Pro7/Sat.1 zu gehen.

    Es wird langsamer vor sich gehen, aber auch TV-Sender müssen bald – am besten aber schon heute , Verlage haben das ja lange nicht adäquat betrieben -, darüber nachdenken, wo eigentlich in Zukunft ihr Platz in der neuen Medienwelt ist.

  2. Ich glaube, die ‚alte‘ Marke ist im nicht mehr so ’neuen‘ Umfeld nach wie vor Gold Wert. Das Angebot wird täglich chaotischer und die Masse wendet sich den – tja- Massenmedienmarken zu, wenn die Adresszeile im Browser einen leer anstarrt. Da fällt der Kartoffel dann doch eher tvtotal.de ein als myspass.de. Vorerst jedenfalls.

    Die Frage, ob MTV sich bzw. seiner Marke einen Gefallen damit tut, seltsamen Ramsch zu senden, ist nichtsdestotrotz mehr als berechtigt. Insbesondere weil die Marke das Kapitel ist und der Kanal eher zweitrangig.

    Ansonsten… super Headline🙂

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